St. Patrona Bavarie in Ehrl

In früheren Jahrhunderten hatte Ehrl kein Gotteshaus. Der bescheidene, aber zu rühmende Anfang zum Bau einer Kirche wurde in den sturmbewegten Tagen des Revolutionsjahres 1848 gemacht. Ursprünglich waren an dem Plan, eine Kapelle zu errichten, mehrere Ortsbewohner beteiligt. Da sie sich aber über den Bauplatz nicht einigen konnten, übernahm der Mühlenbesitzer Johann Hollfelder die Ausführung nach eigenem Ermessen und auf eigene Kosten und auf seinem eigenen Grund und Boden.

Die Kapelle diente bis zum Jahre 1864 nur zur Abhaltung von Betstunden. In diesem Jahre wurde sie benediziert, und von jetzt an wurde auch das hl. Messopfer gefeiert.

An Urkunden sind noch vorhanden:
1) Schenkungsurkunde vom 3. Juni 1863, wonach die Erben der Müllermeistereheleute Johann und Margareta Hollfelder die Kapelle der hiesigen Gemeinde überließen.
2) Urkunde vom 28. März 1883 über die schenkungsweise Abtretung der Kapelle seitens der Gemeinde an die zu errichtende Kapellenstiftung.

In den folgenden Jahrzehnten wurde, weil der Kirchenraum sehr beschränkt war, oft die Erweiterung bzw. ein Kirchenneubau erwogen.

Nach Beendigung des 1. Weltkrieges wurde vom Gemeinderat Ende 1922 der Bau einer neuen Kirche beschlossen. Die ganze Gemeinde stimmte diesem Plan einmütig bei und versprach, alle Hand und Spanndienste unentgeldlich zu leisten. Den Plan fertigte Bauamtmann Wüst aus Bamberg. Baumeister war der Maurermeister Josef Schmittinger aus Scheßlitz. Am 15. März 1923 wurde zum letzten Male in der alten Kapelle Gottesdienst gefeiert, und am gleichen Tag begann man mit den Abbrucharbeiten. Die Grundsteinlegung erfolgte durch Geistl. Rat Spengler, Pfarrer aus Scheßlitz.

Im Turmsockel, rechts des Eingangs, wurde eine Gründungsurkunde eingemauert. Der Bau ging rasch vorwärts. Am 25. Nov. 1923 wurde die feierliche Einweihung durch Weihbischof Adam Senger vorgenommen. Die Predigt hielt auf einer Kanzel im Freien Domkapitular Höfner. Zöglinge des Ottonianums übernahmen den Gesang und verschönten mit ihrer Blechmusik die Feier.

Die 1883 gegründete Kapellenstiftung hatte im Jahre 1920 den ansehnlichen Betrag von 18.500,00 Mark, der aber alsbald einsetzenden Inflation nach der Währungsreform auf 1750,00 RM zusammenschmolz. Die Gesamtsumme der Baukosten war nicht mehr genau festzustellen, denn 1923 war das berüchtigte Jahr der totalen Inflation. Der Tagelohn eines Bauhandwerkers betrug Millionen, später Milliarden und zuletzt Billionen. Das Geld wurde aber nach Bedarf durch Veräußerung von Holzbeständen aus dem Gemeindewald flüssig gemacht, so dass keine Schulden für die Gemeinde entstanden.

Die neu gebaute Kirche wurde Maria, der Patronin Bayerns geweiht, das Patronatsfest wird am 1. Sonntag im Mai gefeiert, die Kirchweih am letzten Sonntag des Kirchenjahres (meist 3. Sonntag im November). Eine besondere Zierde der Kirche ist die prächtige Muttergottesstatue. Sie ist die älteste und wertvollste Skulptur der Kirche. Vor fast 200 Jahren befand sie sich im Gotteshaus zu Weichenwasserlos. Dort wurde sie sonderbarerweise als überflüssig und darum entbehrlich erachtet, weshalb sie im nahen Schulhaus aufgestellt wurde.

Im Jahre 1822 erwirkte der Kirchenpfleger Tremel vom Pfarrherrn den Besitz der Statue für sein Haus. Bei der alsbald erfolgten Vergantung dieses Anwesens wurden alle Habseligkeiten samt der Muttergottesstatue versteigert. Der Mühlenbesitzer Johann Hollfelder von Ehrl steigerte diese Statue um 5 fl. 24 Kr. und wollte sie in eine Nische an seiner Mühle stellen. Der frühzeitige Tod des Müllers veredelte die Ausführung dieses Planes. Die Statue wurde dann in der 1848 erbauten Kapelle aufgestellt. Sie stammt aus der Zeit um 1700. Links vom Altar steht eine Figur der hl. Barbara. Sie wurde nach dem Kirchenneubau von dem Bamberger Bildhauer Schleicher gefertigt.

Weiterhin sind 3 ungefähr 70 cm hohe Barockfiguren zu erwähnen, die des hl. Martin, des hl. Pankraz und des hl. Wendelin. Diese 3 Statuen, die sich schon in der alten Kapelle befanden, wurden in der Nacht zum 11. Mai 1976 von Einbrechern gestohlen. Sie nahmen auch 14 Kerzenständer mit. Im April 1977 konnte die Figur des hl. Wendelin bei einem Privatmann im Raum Nürnberg, der sie von Unbekannten gekauft hatte, gefunden und zurückgeholt werden. Vom restlichen Diebesgut sowie von den Tätern fehlt bis heute jede Spur. Im Jahre 1933 wurde mit einem Kostenaufwand von 2000,00 RM ein neuer Hochaltar gekauft. Im Chor zur rechten und zur linken Seite sind im Jahre 1959 an die Stelle von 2 Gipsfiguren 2 ungefähr 90 cm große Holzstatuen angebracht worden. Die eine stellt den hl. Josef dar, gestiftet wurde sie von der Bauerswitwe Elisabeth Hollfelder (Ehrl 9), die andere ist eine Herz Jesu Statue, Stifter war Dr. Hans Hollfelder (Ehrl 15). Diese beiden Figuren wurden von dem Kupferberger Holzschnitzer Zanner gefertigt. Eine Außenrenovierung erhielt die Kirche im Jahre 1977. Die Muttergottesstatue wurde im September 1979 renoviert. Im Jahr 2003 bis 2004 erfolgte die Innenrenovierung. Schließlich wurde am 23.09.2007 die neue Eichfelder-Orgel eingeweiht. Somit erstrahlt die Kirche von Ehrl wieder im neuem Glanz.

Ihr Ansprechpartner in Ehrl ist  Familie Hollfelder Tel. (0 95 42) 81 67

Link zur Homepage von Ehrl