Die Johanneskirche wie sie heute in Schweisdorf steht, hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Bis zum Jahr 1862 stand sie am Johanneshof außerhalb von Oberhaid.
Der hl. Bischof Otto (1102–1139) soll veranlasst haben, dass nördlich von Oberhaid „in der Wüste“ eine kleine Wallfahrtskirche zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers (der auch in der Wüste lebte) errichtet wird. Diese Kirche war wohl Baufällig, so dass das Katharinenspital in Bamberg durch den bekannten Hofbaumeister Johann Michael Küchel im Jahre 1754 eine neue barocke Johanneskirche bauen lies. Sie diente den Wallfahrten aus der Umgebung vor allem an Johanni und am Fest Kreuzerhöhung zu Gottesdiensten und Wallfahrtsämtern.
Nach der Säkularisation 1802 ging die Kirche in den Besitz des Bay. Staates über. Dieser hatte kein Interesse an der Erhaltung der einsam gelegenen Kirche, und war wohl froh das die Schweisdorfer die Kirche im Jahre 1862 für 250 Gulden dem Staat abkauften.Die Kirche wurde abgebrochen und das Baumaterial mit samt der Inneneinrichtung, Altäre und Kanzel (aus der Werkstatt der Bamberger Bildhauer Johann und Stephan Gollwitzer) unter vielen Mühen in Hand- und Spanndienst nach Schweisdorf gebracht. Von einem Bauern wird berichtet, dass er über hundert Fuhren Steine aus dem Oberhaider Wald nach Schweisdorf gebracht hat.Gewöhnlich fuhr man um Mitternacht in Schweisdorf los, um in Oberhaid das Baumaterial zu holen.
Nach fünf Jahren war der Bau vollendet und die Kirche wurde am 18. Juni 1867 durch Erzbischof Michael von Deinlein geweiht.
Den Mittelpunkt der Kirche bildet der Hochaltar. Das Altarblatt zeigt den Kirchenpatron Johannes bei der Taufe Jesu im Jordan. Rechts neben Johannes stehen wohl seine Schüler Andreas und Johannes, die dann mit Jesus gehen und seine Apostel werden. Das Altarbild wurde von einem Künstler aus der unterfränkischen Familie Urlaub geschaffen und dürfte nach 1754 entstanden sein.
In Blickrichtung zum Hochaltar rechts steht zwischen den Säulen die hl. Kunigunda und im Chorbogen die Figur vom hl. Herzen Jesu. Auf der linken Seite Kaiser Heinrich und die Figur vom hl. Herz Maria. Der rechte Seitenaltar zeigt den hl. Johannes Nepomuk in der Chorkleidung des Generalvikars von Prag. In goldglänzender Ritterrüstung mit Federbusch und Hut steht der hl. Georg neben dem Altar, in der Mitte die hl. Maria und rechts die Figur des hl. Sebastian. An der rechten Seitenwand sind noch von vorne nach hinten die Figuren des hl. Johannes d. Täufers, das Kriegerdenkmal, der hl. Josef mit Jesuskind und der hl. Antonius zu sehen.
Das Kreuzigungsbild des linken Seitenaltars dürfte in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden sein. Bei der Restaurierung Anfang der achtziger Jahre zeigte es sich, dass ein zweites Bild mit dem Bildnis des Evangelisten Johannes aufgeklebt war. Maler dieses Bildes war der bekannte Maler Marquard Treu (*geboren am 25. Dezember 1713 in Bamberg). Dieses Bild befindet sich nach einer fachmännischen Sicherung leihweise im Diözesanmuseum in Bamberg.
Neben dem Altar sind der hl. Bischof Otto mit langem Bischofsstab und Mitra im weisen liturgischem Gewand, sowie die hl. Barbara. Sie ist jugendlich schön gestaltet, mit Kelch, Bibel und Turm als Kennzeichen. Wie auch andere Figuren stammt sie aus der Werkstatt der Familie Gollwitzer in Bamberg. Die Pieta, Maria mit dem toten Sohn auf dem Schoß am linken Seitenaltar gehörte wohl schon zur mittelalterlichen Johanneskirche. Unter dem schwarzen Holzkreuz, das als Andenken an die Volksmission 1913 angebracht wurde, befindet sich die herrlich gestaltete Gottesmutter Maria auf der Weltkugel. Weiterhin ist auf der linken Seite noch die Figur des hl. Wendelin mit Schaf und Rind, Patron der Fuhrleute, Bauern und Hirten zu finden.
Die Orgel mit dem wohlgeordnetem Pfeifenprospekt in schönem Gehäuse wurde 1898 von Johann Wolf aus Bayreuth aufgestellt.
Von den drei Glocken überstand nur die kleine die Weltkriege. Die beiden größeren mussten zur Kriegsrüstung abgegeben werden.1948/49 wurden zwei neue Glocken (200 kg mit 73 cm Durchmesser und 300 kg mit 83 cm Durchmesser ) von der Firma Grüninger & Söhne aus Neu-Ulm bezogen.
Ihre Ansprechpartner in Schweisdorf:
Kirchenpfleger Peter Hollfelder
Tel. (0 95 42) 771370
Mesner Emil Finzel
Tel. (09542) 8490